Seit ihrem Sturz im vorangegangenen Winter hatte sich ihr Gesundheitszustand stetig verschlechtert. Die Stimme des Arztes hallte ihr noch immer im Kopf nach: „Sie sollten wirklich nicht mehr allein leben, Margaret.“ Als Lisa an diesem Morgen eine Autofahrt vorschlug, verstand Margaret sofort, was das bedeutete. Die Broschüren für die Seniorenwohnanlage San Pines lagen schon seit Wochen auf ihrem Couchtisch. Lisa war einfühlsam gewesen – aber beharrlich.
Sie fuhren schweigend, während sich die Landschaft veränderte. Margaret beobachtete vertraute Orte, die vorbeizogen: die Bibliothek, in der sie zwei Jahrzehnte lang ehrenamtlich gearbeitet hatte, den Park, in dem sie früher Lisa auf den Schaukeln angeschoben hatte.
„Weißt du noch, wie du mich immer angefleht hast, dich höher zu schieben?“, sagte Margaret mit zitternder Stimme.
Lisa lächelte. „Du hast mich gewarnt, nicht zu hoch zu gehen – und dann hast du mich noch mehr angetrieben als je zuvor. Ich habe jedes Mal geschrien.“
Die Erinnerung schwebte zwischen ihnen, süß und schwer.
Ein paar Minuten später runzelte Margaret die Stirn. „Haben wir die Abzweigung verpasst?“, fragte sie. „San Pines hätte doch schon da hinten sein müssen.“
„Da gehen wir heute nicht hin, Mama“, antwortete Lisa mit einem leichten Lächeln auf den Lippen.
Margaret spürte einen Stich im Herzen. „Und wohin gehen wir dann?“
„Nur noch ein kleines Stück. Wir sind fast da.“
Zehn Minuten später bog der Wagen in eine ruhige, von Bäumen gesäumte Straße ein, die Margaret nicht kannte. Die Häuser waren älter, charmant, mit gepflegten Gärten und hohen Bäumen. Lisa bremste ab und fuhr in die Einfahrt eines gemütlichen, blau-weiß verkleideten Häuschens mit einer breiten, mit Blumenkästen geschmückten Veranda.
„Da sind wir“, sagte Lisa und schaltete den Motor aus.
Margaret starrte verwirrt. „Wo… sind wir?“
„Nach Hause“, antwortete Lisa.
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